Plädoyer für die Verwendung von frischem Fleisch
Ein neues Familienmitglied kommt ins Haus, ein junger Welpe. Bei allen ist die Freude groß und jede Regung des Hundes wird mit Spannung beobachtet. Der Tagesrhythmus muss neu eingeübt werden, um den Bedürfnissen des Hundes gerecht zu werden. Gleich am ersten Tag stellt sich die Frage nach der richtigen Ernährung des Hundes. Man kennt sie ja, die langen Reihen von Dosen mit Hundefutter in den Supermärkten oder die großen Säcke mit Trockenfutter.
In der Regel wird man nicht wahllos nach einer der Dosen greifen, sondern sich an das Futter halten, was der Züchter dem Welpen bisher schon gegeben hat. Sicher ist auch jedem bewusst, dass die Ernährung eine zentrale Bedeutung für das Wachstum, den Aufbau des Körpers, die Entwicklung des Immunsystems und damit für die Gesundheit des Tieres hat. Die entscheidenden Argumente für die Verwendung von Fertigfutter, vor allem als Trockenfutter, sind, dass der Aufwand für die Fütterung sehr gering sei und dass im Fertigfutter alle wichtigen Nährstoffe enthalten seien, so dass die Ernährung damit ausgewogen und artgerecht ist. Gleichzeitig hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass die Verwendung von Frischfutter zeitaufwändig, kompliziert und teuer sei. Alles scheint in bester Ordnung zu sein.
Das ist aber nicht der Fall. Viele gesundheitlichen Probleme der Hunde werden aufwändig behandelt, ohne dass eine durchschlagende Besserung eintritt. Nur ganz allmählich setzt sich dann die Erkenntnis durch, dass der Hund nicht organisch krank ist, sondern dass er ganz einfach das falsche Futter bekommt.
Wie kam ich dazu, diesen Text zu schreiben? Auch uns ging es so, wie ich es oben beschrieben habe. Im Mai 2000 holten wir unseren kleinen Golden bei der Züchterin ab und er eroberte die Herzen aller im Sturm. Doch nach einem Jahr erhielten wir die bittere Nachricht: Der Hund ist schwer hüftkrank. Mit einer Operation wurde zwar erreicht, dass er sich schmerzfrei bewegen und ganz seinem Leben gemäß leben kann. Doch das zaubert die Hüftdysplasie nicht weg. Für uns stellte sich die Frage, was können wir tun, dass die negativen Folgen der HD möglichst gering gehalten werden. Vorbeugende Medikamente gibt es im Grunde nicht. So kamen wir zu dem Schluss, dass es am sinnvollsten ist, den Hund richtig zu ernähren und ihm ausreichend Bewegung zu verschaffen. Bei der Suche nach dem richtigen Futter lernten wir Frau Bauer kennen, die uns die Fütterung mit frischem Mischfleisch empfahl.
Immer wieder kann man bei Hunden Erkrankungen beobachten, deren Entstehung kaum zu erklären sind. Die Tiere werden auf Frischfleisch umgestellt und die krankhaften Symptome verschwinden wie von selbst. Ich möchte jetzt sicher nicht die einzelnen Krankheitsgeschichten detailliert nachzeichnen. Einige Andeutungen mögen genügen.
- Man hat den Eindruck, der Hund sei schleckig, das ist zwar noch keine Krankheit. Im Grunde ist es aber nur ein Zeichen, dass die verschiedensten Formen von Trockenfutter dem Tier nicht entspricht.
- Ein Golden Retriever, nennen wir ihn Caesar, machte eine ganze Odyssee von Futterwechseln mit. Wir kennen seine Geschichte sehr gut. Caesar lebt bei sehr guten Freunden. Bei gemeinsamen Begleithundekursen und Spaziergängen am Meer haben wir viele Gedanken über unsere Vierbeiner ausgetauscht.
Immer wieder litt Caesar unter Durchfall mit Schleimabsonderung. Mehrfach wurde die Marke des Trockenfutters gewechselt, verschiedene Diäten wurden verordnet, das Fressen wurden für ihn eigens gekocht. Bei jedem neuen Versuch besserte sich sein Befinden vorübergehend, doch nach kurzer Zeit stellten sich die alten Beschwerden wieder ein. Schließlich wurde vermutet, dass – bedingt durch eine absolute Unverträglichkeit von Trockenfutter - die Leber krank und der Dickdarm entzündet ist. Nach einer vierwöchigen Entgiftungskur bekommt Caesar Mischfleisch mit Blättermagen. Caesar frisst wieder mit Appetit und er hat normalen Kot. Dieser Fall zeigt sehr anschaulich, wie lange es dauern kann, dass es offensichtlich wird: Der Hund ist im Grunde gar nicht krank, er bekommt einfach nicht das richtige Fressen.
Weitere Symptome, die auf eine solche Unverträglichkeit zurückzuführen sind, kann ich nur andeuten:
- Haarausfall, brüchiges Haar und stumpfes Fell;
- Starke Entzündung an allen vier Pfoten, ohne dass eine akute Entzündung zu erkennen wäre;
- Ekzeme und Hautreizungen;
- Probleme mit dem Kreislauf und der Herzmuskulatur;
- Nachlassen der Festigkeit der Knochen schon in jungen Jahren;
- Neigung zur Arthrose bei Hunden, die eine Hüftdysplasie haben.
Die Bedenken gegenüber der Trockennahrung ergeben sich, so paradox
das klingen mag, genau aus ihren angepriesenen Vorteilen: Haltbarkeit
und gleichmäßige Qualität.
Alle Inhaltsstoffe sind erhitzt, dadurch
sind viele weniger wertvoll und manche direkt gefährlich für die
Gesundheit. Kochen oder sonstige Erhitzungsprozesse binden
Nahrungsmoleküle fester zusammen und diese werden dadurch schwer
verdaulich. Die Verdauung verbraucht also mehr Energie als bei frischem
Futter. Ein erheblicher Anteil des Trockenfutters besteht aus Getreide.
Von Natur braucht der Hund kein Getreide, es ist sogar eher schädlich
für ihn. Wie gesagt, gehen beim Herstellungsprozess wichtige Nährstoffe
verloren, so dass sie wieder künstlich zugesetzt werden müssen. Oft
sind es chemisch hergestellte Stoffe, die nur schwer verwertet werden
können. Schließlich werden künstliche Konservierungsmittel verwendet,
um die Haltbarkeit des Produkts zu garantieren. Diese Stoffe reichern
sich langsam im Körper des Hundes an und können zu schweren Störungen
führen.
Damit kein Missverständnis entsteht, hier ist nicht die Rede
von qualitativ schlechtem Trockenfutter. Allein die Art der Herstellung
des Trockenfutters hat diese Problematik zur Folge.
Der Hund stammt vom Wolf ab und entsprechend sind seine Bedürfnisse nach einer artgerechten Ernährung. Der Hund ist zwar schon seit über 5000 Jahren ein treuer Begleiter des Menschen, dabei hat er sich aber durch die Evolution nicht in dem Maße verändert, dass sich seine Nahrungsbedürfnisse völlig verändert hätten. Der Wolf gehört zu der Ordnung der Karnivoren, wobei er kein reiner Fleischfresser ist. Außer Beutetieren frisst er Obst, Kräuter, Beeren, Gräser und Wurzeln. Überwiegend ist er jedoch ein Jäger. Vom Beutetier wird fast alles aufgefressen. Durch den Verzehr des ganzen Tieres bekommt der Wolf alle für ihn lebenswichtige Nährstoffe: Eiweiß, Fett, Mineralien, Vitamine, Enzyme und Ballaststoffe. Da der Wolf auch den Mageninhalt des Beutetieres mitverzehrt, nimmt er auch die pflanzlichen Nährstoffe auf, die sein Verdauungsapparat ansonsten nicht aufschließen könnte. Immerhin sind die Beutetiere des Wolfs fast ausschließlich Pflanzenfresser. Grundsätzlich ist der Verdauungsapparat des Wolfs und damit auch des Hunds darauf ausgerichtet, fleischliche Nahrung zu verarbeiten. Der Magen ist sehr groß und der Darm ist sehr kurz. Die Verdauungszeit ist dadurch recht kurz, der Wolf ist damit aber auch nicht in der Lage, rein pflanzliche Nahrung angemessen zu verdauen.
Trockennahrung wird also den Bedürfnissen des Hundes nicht gerecht.
So drängt sich geradezu die Verwendung von Frischfleisch auf. Sicher
ist es so, dass es sehr aufwändig ist, wenn man alle Bestandteile der
Nahrung selbst zusammenstellt und zubereitet. Hierzu bietet sich aber
eine hervorragende Alternative an: Frisches Mischfleisch,
zusammengesetzt aus Muskelfleisch, Grünem Pansen und Blättermagen.
Diese Zusammensetzung entspricht der natürlichen Ernährung des Wolfs.
Mit
dem Muskelfleisch erhält der Hund alle tierischen Nährstoffe, Eiweiß,
viele Vitamine sowie die Mineralien Kalium, Natrium und Eisen. Vor
allem liefert das Fleisch dem Hund die nötige Energie für seinen
Bewegungsdrang. Grüner Pansen enthält alle Kleinstlebewesen (Bakterien
u.s.w.), die im Pansen (einem Vormagen bei Wiederkäuern) das gefressene
Gras (Zellulose) zerkleinern. Wenn nun ein Wolf einen Wiederkäuer (z.B.
Reh) frisst, so frisst er auch den Inhalt des Pansens und somit auch
die Panseninfusorien mit. Diese Kleinstlebewesen sind auch beim Hund
wichtig zur Verdauung von Pflanzen. Da „grüner Pansen“ nicht gewaschen
ist, enthält er noch reichlich Panseninfusorien, vorausgesetzt, er ist
frisch oder gefroren und nicht getrocknet. Der Name „grüner Pansen“
leitet sich von den noch in den Falten hängen gebliebenen Gräsern und
der Farbe des Pansen-Fleisches ab. In den Blättermagen gelangt der
Grasbrei, nachdem die Kuh zum zweiten Mal zerkaut hat. Durch diese
erneute Zerkleinerung bietet sich den Enzymen eine große
Angriffsfläche. Im Blättermagen wird dem Brei das Wasser entzogen, so
dass nun im Darm die Aufnahme der Nährstoffe beginnen kann.
Fazit: Die Fütterung mit frischem Mischfleisch entspricht also ganz den Bedürfnissen des Hundes. Sicher sind nicht bei jeder Mahlzeit alle lebenswichtigen Nährstoffe in gleicher Weise vorhanden. Das ist es bei wild lebenden Tieren auch nicht. Über einen längeren Zeitraum gleicht sich das alles aus. Wichtig ist, dass mit dieser Ernährung die entscheidenden Ziele für die Gesundheit des Hundes erreicht werden. Frische Nahrung fördert sein Wachstum in artgerechter Weise, sein Immunsystem wird auf natürliche Weise gestärkt, er bekommt ein schönes, gesundes und glänzendes Fell. Der Hund frisst diese Nahrung mit Genuss, so dass wir Menschen viel Freude mit unserem Hausgenossen haben können.
Sicher wird es nicht möglich sein, das Mischfleisch täglich frisch zu besorgen, so dass man es am besten tiefgefroren in sinnvollen Quanten (500g oder 1000g) einlagert. Wenn man nicht häufig fahren will, dann wird es gut sein, wenn man für unseren Hausgenossen einen größeren Raum im Gefrierschrank reserviert, aus dem man dann täglich das entsprechende Quantum entnimmt. Auf zwei Dinge möchte ich noch hinweisen. Die Kosten für diese Frischnahrung sind nicht höher als für gutes Trockennahrung. Wenn man bedenkt, dass man sich damit wahrscheinlich noch den einen oder anderen Tierarztbesuch erspart, dann ist es wahrscheinlich sogar günstiger. Wenn man das Frischfleisch tiefgefroren verwendet, dann entsteht für die Zubereitung kein großer Zeitaufwand. Bei uns hat sich folgender Ablauf eingespielt: Wir entnehmen rechtzeitig das neue Paket zum Auftauen aus dem Gefrierschrank. Nach dem Abendspaziergang bekommt unser Hund sein Frischfleisch, ergänzt mit etwas Flocken. Danach legt er sich satt und zufrieden in seine Lieblingsecke.
An dieser Stelle möchte ich Frau Bauer ganz herzlich für ihre geduldige Beratung danken. Sie hat uns durch eingehende Beratung diesen Weg gewiesen. In vielen Gesprächen haben wir viel Wissenswertes über die Ernährung unseres Hundes erfahren. Schließlich wurde ich durch diese Informationen auch zu diesem Artikel angerecht worden. Wir wollen vielen anderen Hundehaltern unsere Überlegungen mitteilen, denn sie stehen oft sicher vor der selben Frage wie wir: Wie ernähre ich meinen Hund?
Autor: Dieter Weiland, Grafenau
